Volker Hausch [Hrsg.], Heiko Gogolin [Chefred.]: GEE - Love for Games

Volker Hausch [Hrsg.], Heiko Gogolin [Chefred.]: GEE - Love for Games. Hamburg 2009, GEE Media & Marketing GmbH, ISSN ???, Heft mit Klebebindung 23,0 cm x 28,0 cm, 100 Seiten, je 4,90 Euro

Volker Hausch [Hrsg.], Heiko Gogolin [Chefred.]: GEE - Love for Games

Die Ausgabe 47 (September 2009, erschienen Ende August) enthält folgende SF-Geschichten:


Thorsten Küper: Symbionten

2038: Gute Gamer bekommen ein Haus mit Garten geschenkt. Das steht allerdings im Grunde leer, da der Körper des ins Netzwerk eingeklinkten Spielers in einem Tank von Symbionten versorgt wird. Der Ich-Erzähler arbeitet den ersten Tag als Tank-Wart und wird von seinem Kollegen vor den Befreiern gewarnt, die die Spieler aus den Tanks befreien wollen.

Thorsten Küper gelingt es, auf kleinstem Raum durch knappe, gezielte Beschreibungen die Szenerie für den Leser bildhaft lebendig werden zu lassen. Nur die Schlußpointe überzeugt nicht, da unmittelbar zuvor ein ethisches Problem aufgeworfen, nun aber ignoriert wird. Dabei wäre auf der Seite noch Platz gewesen...


Uwe Post: Schnetzel den Quork!

Luka erlegt einen Quork, bevor der im Supermarkt zuviel Schaden anrichten kann. Eine Internet-Oma protestiert, man solle mit dem Essen nicht spielen, doch Luka verweist auf die ethischen Gründe gegen Massentierhaltung.

Herrlich schräge Geschichte, in der Uwe Post Kommerz und Werbeikonen durch den Kakao zieht, das ganzer von der Internet-Oma auf Ruhrpottisch kommentiert. Knapp, knackig, zum kaputtlachen! Darauf trink ich eine ZischZitro. :-)


Claudia Kern: Handbuch aus dem Jahr 2020

Die Bedienungsanleitung für ein Spiel von Totally Awesome Games™ erläutert unter anderem, wie man sich den Totally Awesome Game Chip™ unter die Haut schießt, mit welchen Folgen für den Spieler der Hersteller sein geistiges Eigentum vor Hacks schützt und wie man sich im SafeGamingNet™ der Bundesregierung anmeldet.

Bitterböse Satire auf den Kontrollwahn von Politikern und Medienindustrie, bei der dem Leser das Lachen im Halse steckenbleibt, speziell bei den Internetadressen. Claudia Kern gelingt es, aus einer trockenen Bedienungsanleitung eine Welt zu kreieren, in der die Rechte des Konsumenten und Bürgers nicht mehr zählen.


Frank Hebben: Highscore

Ein alternder Spieler wird zu seinem letzten Spiel gebracht. Durch biokybernetische Implantate, einst militärische Technologie, nu dazu verwendet, Gamern schnellere Reflexe zu verschaffen, wurde er zu einer lebenden Spielekonsole.

Da lebt jemand wirklich voll und ganz für seine Leidenschaft - Gaming auf die Spitze getrieben. Selbst am Ende seines Lebens interessiert den Gamer nur, seinen Highscore zu erhöhen. Hier stellt Frank Hebben die Angst vieler Nicht-Spieler dar, noch geschürt von populistischen Politikern, die Spieler könnten das Spiel für wichtiger als alles andere halten und den Sinn für die Realität verlieren.


Karla Schmidt: No-Game

Kei ist von ihrem Freund Dari schwanger, der No-G vor kurzem verlassen hat. In No-G muß Kei ein Szenario™-Baby aufziehen, um zu zeigen, daß sie für ein echtes sorgen kann, sonst wird es ihr weggenommen.

Starker Tobak! Hier werden Slumbewohner durch injizierte Nanos, die sie in ein schönes Szenario™ entführen, ruhiggestellt. Brot und Spiele wie schon bei den alten Römern, aber nun mit einer zusätzlichen Kontrollmöglichkeit. Ich mußte beim Lesen der Geschichte an die vernachlässigten und zu Tode gekommenen Kinder denken, von denen man leider immer öfter in der Presse liest. Insofern stellt No-G sie konsequente Weiterentwicklung von Hartz IV dar.


Bernd Frenz: Ein verdammt harter Job

Antek gelingt es nach einigen Schwierigkeiten, die Spielbösewichter auszuschalten. Als er sich zur Belohnung an die befreite Spielgeisel heranmachen will, quetscht ihm plötzlich etwas die Hoden ein...

Die Technik macht immer weitere Fortschritte, aber der Mensch bleibt im Innersten dasselbe triebgesteuerte Steinzeitwesen. Nette, vermutlich zur Unterstreichung der Aussage stark mit Stereotypen und Klischees arbeitende Pointenstory. Ich hätte "die Moral von der Geschicht" aber auch verstanden, ohne daß Bernd Frenz sie explizit hingeschrieben hätte.


Sechs Geschichten zum Thema "Zukunft der Computerspiele", die jede nur eine A4-Seite lang sind - inklusive großzügig bemessener Überschrift, Autoreninformation und mehr oder wenig ungenutzten Platz. Es ist wirklich erstaunlich, was manche Autoren auf derart geringem Raum schaffen können! Alle Geschichten sind lesenswert, wenn auch "Ein verdammt harter Job" durch die exzessive Verwendung von Klischees abfällt - sie passen zur Aussage, die Geschichte ist dennoch deutlich weniger intensiv erzählt. Bei den Geschichten "Symbionten" und "Highscore" vermag mich die Schlußpointe nicht zu überzeugen, davon abgesehen bewegen sie sich auf ähnlichem Niveau wie die drei besten Geschichten, wobei Thorsten Küper die bildlich lebendigste Schilderung bietet und Uwe Post den schrägsten Humor.

Fazit: Sechs einseitige Vignetten über Computerspiele in der Zukunft, sechs hochqualitative Geschichten, die zeigen, daß auch die ganz kurzen Kurzgeschichten hervorragend sein können. Unbedingt empfehlenswert!

Folgende Geschichten finde ich rundum gelungen (beste zuerst):


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Erstellt am Mo, den 24.08.2009 von Martin Stricker.
Zuletzt geändert am Mo, den 24.08.2009 um 22:18.